Flightseeing: Per Video-Drohne die Stadt von oben erkunden

Zwei Dresdner lernen sich sich bei der Physiotherapie kennen und beschließen ein Startup zu gründen. Bereits nach einem Jahr hat die Firma die Gewinnschwelle erreicht.

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Martin Göttert (li.) und Daniel Zenzipér sind die Gründer von Flightseeing. Foto: Flightseeing

Dresden. Am Anfang der Geschäftsidee standen Rückenschmerzen. Daniel Zenzipér (28) lag Ende 2013 bei Physiotherapeut Martin Göttert (34) auf der Pritsche und ließ sich wegen seiner Beschwerden behandeln. Dabei kamen die beiden auch ganz ungezwungen übers Reisen ins Gespräch. Und während sie da so entspannt plauderten, fiel ihnen auf, dass es vor allem für ältere Menschen manchmal gar nicht so einfach ist, bestimmte Sehenswürdigkeiten zu erklimmen.

„In der Frauenkirche gibt es beispielsweise keinen Aufzug. So dass nicht jeder den Ausblick genießen kann“, sagt Zenzipér.

Diese Überlegung war die Geburtsstunde ihrer Firma „Flightseeing“. Live-Bilder von Rundflügen, die von Quadrocoptern gestreamt werden und auf der Erde per Videobrille zu sehen sind – so sah die Vorstellung der Dresdner aus.

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Mit Videodrohnen wie dieser, die streng genommen den Namen Copter tragen, macht Flightseeing seine Aufnahmen. Foto: Flightseeing

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Per Videobrille kann man am Boden die Aufnahmen der Drohne live ansehen. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislav Tillich war begeistert. Foto: Flightseeing

Doch obwohl die einzelnen Komponenten bereits existierten, war es bisher nur ein Traum. „Ich habe dann Internetforen durchforstet und mit Kennern der Szene gesprochen, welche Technik sich am besten eignet “, sagt Zenzipér.

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Auch ein Flug übers Dynamo-Stadio ist mit den Coptern möglich. Foto: Flightseeing

Ein Knackpunkt war dabei die Funkfrequenz für das Videosignal. Nach intensiven Tests entschieden sich Daniel und Martin schließlich für eine 2,4 Gigaherz W-Lan-Frequenz, weil man über diese am besten ein HD-Bild übertragen kann. Allerdings hat die Fliegerei mit den Quadro- oder Octocoptern nicht nur technische Tücken, sondern auch rechtliche.

„Es ist zum Beispiel verboten, über Menschen zu fliegen. Außerdem muss man den Copter immer im Sichtfeld behalten“, so Zenzipér.

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Herrlicher Ausblick über die Dresdner Innenstadt. Foto: Flightseeing

Hinzu kommen bestimmte Auflagen, die in manchen Städten gelten. In Berlin müsse beispielsweise ein Abstand von 4,5 Kilometern zum Reichstag und 1,5 Kilometern zu den Flughäfen eingehalten werden. Dies schränke die Möglichkeiten ein, erläutert der 28-Jährige.

Zu tun hatten die Startup-Unternehmer nach Abschluss der Entwicklungsphase Mitte 2014 trotzdem jede Menge. Unter anderem haben sie bei der Dresdner Schlössernacht Fotos geschossen, Live-Events bei Firmenfeiern durchgeführt oder die spektakuläre Moselbrücke im Rheinland mit ihren 150 Meter hohen Pfeilern überflogen, um damit die Arbeit von Industriekletterern zu dokumentieren.

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Das Schloss Moritzburg ist von der Video-Drohne aus ebenfalls schön anzusehen. Foto: Flightseeing

Insgesamt hat „Flightseeing“, das in diesem Jahr mit dem Tourismuspreis des Tourismusverbandes Dresden (TVD) ausgezeichnet wurde, zu 70 Prozent Firmen-Aufträge mit Video und Fotoproduktion und zu 30 Prozent für Flightseeing-Events. Neben dem Live-Erlebnis, das die Zuschauer über die Videobrillen von Carl Zeiss virtuell in schwindelerregende Höhen entführt und im Basispreis für zwei Stunden 449 Euro kostet, bietet die Firma auch fertig geschnittene Videoaufzeichnungen an, die professionell mit Octocopter und Spiegelreflex gedreht werden.

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Die Fotoaufnahmen in der Kreuzkirche erforderten sehr gutes fliegerisches Können, weil das GPS nicht benutzt werden konnte. Foto: Flightseeing

So hat das Unternehmen unter anderem Fotos anlässlich des 800. Jubiläums des Kreuzchores geschossen. Allerdings war das nicht so einfach. „Normalerweise wird der Copter per GPS in der Luft stabilisiert. In der Kirche war das aber nicht möglich. Um dennoch gute Aufnahmen hinzubekommen, war schon einiges fliegerisches Können notwendig“, erinnert sich Zenzipér.

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An der Moselbrücke unweit der Ortschaft Wolf in Rheinland Pfalz dokumentierte das Flightseeing-Team die Arbeit von Industriekletterern. Foto: Flightseeing

Trotz der Tatsache, dass Daniel Zenzipér und Martin Göttert ihr Unternehmen komplett ohne Fremdkapital mit eigenen Ersparnissen gestartet haben, konnten sie aufgrund der vielen Aufträge bereits im Februar dieses Jahres die Gewinnschwelle erreichen. Der Umsatz liegt unter 100.000 Euro im fünfstelligen Bereich. Kein Wunder, dass Zenzipér und Göttert ein positives Resümee ihrer Gründung ziehen:

„Es ist das beste, was wir jemals getan haben. Allerdings geht es nur mit einem starken Team. Und das haben wir“, sagen die beiden unisono.

Stephan Hönigschmid

www.flightseeing.de

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