Warum die Selbstheilungskräfte des Marktes manchmal nicht funktionieren

Das Buch „Keynes on Air“ enthält 19 Vorträge, die der Ökonom John Maynard Keynes während der Weltwirtschaftskrise am Mikrofon der BBC gehalten hat.

Ein Blick in die New Yorker Wall Street. Foto: Stephan Hönigschmid

Ein Blick in die New Yorker Wall Street. Foto: Stephan Hönigschmid

Dresden. Eine Bank nach der anderen bricht zusammen. Die Börse stürzt dramatisch ab. Die Menschen sind verzweifelt. Wie soll es weiter gehen? Das kapitalistische System steht in den 1930er Jahren vor seinem Ende. In diesen stürmischen Zeiten tritt der renommierte CambridgeÖkonom John Maynard Keynes mit einer Reihe von Vorträgen an das Mikrofon der BBC.
Er stellt sich gegen die Position der „klassischen Lehre“, die auf die Selbstheilungskräfte des Marktes vertraut und fordert ein aktives politisches Eingreifen, um Armut und Arbeitslosigkeit zu bekämpften.

Buchcover: Murmann Verlag

Buchcover: Murmann Verlag

„Keynes On Air“ beinhaltet 19 Vorträge, die der Ökonom zwischen 1927 und 1945 am Mikrofon der BBC gehalten hat. Obwohl Keynes seine eigenen Studenten eher überforderte als unterforderte, gelang es ihm im Rundfunk, seine Argumente in einer klaren und allgemeinverständlichen Sprache vorzutragen. Nicht zuletzt deshalb konnte er sich mit seinen Ideen gegen doktrinäre und politische Widerstände durchsetzen. Seine Kernbotschaft beinhaltet die Forderung, dass in einer Situation, in der weder die Unternehmen investieren noch die Verbraucher konsumieren, der Staat als Nachfrager auftreten sollte. Massenarbeitslosigkeit und eine permanente Unterauslastung der Produktionsanlagen hält Keynes für die Totengräber des Kapitalismus.

„Keynes On Air“ gibt dem Leser die Möglichkeit, eine Zeitreise durch eine unruhige Periode der Wirtschaftsgeschichte zu unternehmen. Keynes äußert sich in seinen Vorträgen zu einer Reihe von Themen. Sie reichen von Massenarbeitslosigkeit bis zu staatlicher Beschäftigungspolitik, von Fragen der Kriegsfinanzierung bis zur Bedeutung der Künste und den Aufgaben von Hochschulen. Vor allem letzterer Punkt beschäftigt sich mit der ganz praktischen Frage, ob akademische Bildung eine Grundlage sei, auf der man eine Karriere in der freien Wirtschaft aufbauen könne. Eine aus heutiger Sicht hochinteressante Diskussion, die Keynes mit dem Industriellen Ernest Walls und dem Verleger Sir Ernest Benn führte.

Angesichts der noch immer nicht vollständig verarbeiteten Folgen der jüngsten Finanzkrise ist Keynes aktueller denn je. Ein Blick zurück lohnt sich daher auf jeden Fall, denn Keynes weiß nicht nur durch seinen glasklaren ökonomischen Sachverstand zu überzeugen, sondern außerdem als universalgelehrte Persönlichkeit, die in den Bereichen von Kunst und Kultur ebenso zu Hause ist wie in der Ökonomie.

Stephan Hönigschmid

John Maynard Keynes: On Air – Der Weltökonom am Mikrofon der BBC, Murmann Verlag, 240 Seiten, 22,50 Euro.

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