Erfolgsgründer verraten auf Gründertour ihre Geheimnisse

6. Auflage der Veranstaltung gibt Teilnehmern Einblicke in Dresdner Firmen. Viele nutzen die Gelegenheit, um ausgiebig Fragen zu stellen.

Gründer und Geschäftsführer Jan Großmann (re.) berichtete anschaulich über die Gründungsgeschichte seiner Firma Marktjagd, die heute unter dem Namen Offerista firmiert. Foto: Stephan Hönigschmid

Gründer und Geschäftsführer Jan Großmann (re.) berichtete anschaulich über die Gründungsgeschichte seiner Firma Marktjagd, die heute unter dem Namen Offerista firmiert. Foto: Stephan Hönigschmid

Dresden. Zum sechsten Mal lud der Gründergarten Dresden vor kurzem zur Gründertour ein. Ausgangspunkt war die Gründungsschmiede der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in der Andreas-Schubert-Straße, wo sich reichlich 20 Teilnehmer für die unternehmerische Reise durch die sächsische Landeshauptstadt einfanden. „Schön, dass Sie da sind und wir Ihnen die Gründungsschmiede vorstellen können“, sagte HTW-Professor Ralph Sonntag, der die Einrichtung leitet.

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Unter anderem erfuhren die Gründungsinteressierten auf diese Weise, dass sie ihre Idee auf zwei DIN-A4-Seiten niederschreiben müssen, um sich für einen Platz in der Gründungsschmiede zu bewerben. Stimmt Professor Sonntag dem Vorhaben zu, erhalten die Startups für zwei Jahre ein kostenfreies Büro mit Computer sowie Zugriff zu Druckern und Labor- und Werkstatttechnik.

Im Anschluss an die Präsentation der Gründungsschmiede gab es in lockerer Runde Gelegenheit, mit Gründern von aktuell ansässigen Firmen wie der Designagentur heyho oder dem Startup plant values, das Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit berät, ins Gespräch zu kommen.

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Die Teilnehmer der Gründertour auf dem Weg zu Offerista im Dresdner Volkshaus. Foto: Stephan Hönigschmid

Welch dynamische Entwicklung ein kleines Gründungsprojekt nehmen kann, erlebten die Tour-Teilnehmer wenig später bei Offerista unweit des Bahnhofes Mitte. Was 2008 unter dem Namen Marktjagd in einem winzigen Büro mit zwei Gründern begann, ist seitdem kontinuierlich gewachsen.  Waren es vor der Fusion mit barcoo im Jahr 2015 bereits 50 Mitarbeiter, zählt das Unternehmen heute 75 Mitarbeiter in Dresden, Berlin und Düsseldorf.

Geschäftsmodell ist die Digitalisierung von Werbeprospekten, die bisher in Papierform in den Briefkästen gelandet sind. Mit den eigenen Apps barcoo und Marktjagd, dem Online-Portal marktjagd.de und über die Präsenz in bekannten Apps wie „Meine Stadt“ oder den „Gelben Seiten“ erreicht Offerista Monat für Monat Millionen Menschen und verdient performancebasiert je nachdem wie viele Nutzer auf die Werbung klicken.

Anders als in der gedruckten Form, wo manche Zeitgenossen die bunten Werbeblätter mitunter nervig finden, nutzen die Leute das Angebot von Offerista bewusst, um ihre Einkäufe zu planen. „Per Smartphone kann die App zudem Geschäfte in der Nachbarschaft ausfindig machen, die die entsprechenden Produkte anbieten“, sagt Gründer und Geschäftsführer Jan Großmann.

Obwohl Großmann heute Chef eines beachtlichen Unternehmens ist, räumt er ein, dass die Anfangszeit als Gründer nicht leicht war. „Ich habe vielleicht einen halben Tag Wochenende gehabt und ansonsten im Schnitt von 8 bis 20 Uhr gearbeitet. Da braucht man schon viel Durchhaltevermögen und Leidenschaft für das Thema“, sagt der Diplombetriebswirt, der zuvor in einem großen deutschen Handelskonzern arbeitete, sich dann aber für die eigene Firma entschied, weil er in dem Konzern aufgrund des engen Korsetts kaum etwas verändern konnte.

Neben dem Arbeitspensum, knappen finanziellen Ressourcen und dem Kampf um die ersten Kunden mussten sich Jan Großmann und sein Team vor allem in Westdeutschland erstmal einen Namen machen. „Manche haben uns nicht so ernst genommen und gefragt: Sie kommen aus Dresden?“

Gründern in spe rät er, sich rechtzeitig gute Berater zu suchen: „Man sollte an der Beratung nicht sparen. Denn alle Fehler wurden schon einmal gemacht.“ Darüber hinaus plädiere er dafür, möglichst viel zu delegieren. Es sei günstiger, für alles, was man selbst nicht kann, andere Leute zu engagieren, die es besser machen, so Großmann.

Nach dem Besuch bei Offerista ging die Gründertour in der Zeitenströmung bei Cloud and Heat weiter. Die Firma nutzt die Abwärme von Computerservern, um damit Wohnungen und Häuser zu heizen. Anders als sonst üblich, werden die Server nicht luft-, sondern wassergekühlt und erreichen auf diese Weise eine außergewöhnliche Energieeffizienz. „An unserem Standort in der Wallotstraße steht das effizienteste Rechenzentrum der Welt“, sagt Mitarbeiter Daniel Trautmann.

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Cloud&Heat-Mitarbeiter Daniel Trautmann erklärt die Wirkungsweise der Server des Unternehmens, die neben Speicherplatz in der Cloud auch Wärme zur Beheizung von Wohnungen und Häusern liefern. Foto: Stephan Hönigschmid

Informatik-Professor Christof Fetzer (Systems Engineering) hat die Methode entdeckt, als er 2009 beim Bau seines Eigenheims nach einer kostengünstigen Lösung zur Beheizung der Wohnflächen gesucht hat. Zusammen mit Jens Struckmeier entwickelte er die patentierte Technologie in langjähriger Forschungsarbeit. 2011 gründeten sie gemeinsam mit Marcel Schretzmann die AoTerra GmbH, heute Cloud&Heat Technologies GmbH.

Trotz der Tatsache, dass sich die Firma rasant entwickelt hat und bereits 2013 ihren Umsatz verzehnfachen konnte, merkt sie die Konkurrenz durch große Cloudanbieter wie Google oder Amazon. „Wir sind zwar nach wie vor erfolgreich im Public-Cloud-Markt tätig, bieten seit 2015 zunehmend aber auch individuelle Pakete für Unternehmen an, die genau auf deren Bedürfnisse zugeschnitten sind“, sagt Daniel Trautmann.

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Aufklang der Gründertour in einer Neustädter Kneipe. Foto: Stephan Hönigschmid

Mit mehreren Pitches von Gründern, die noch ganz am Anfang stehen und Feedback haben wollten, endete die Gründertour am Abend in einer Kneipe in der Dresdner Neustadt.

Stephan Hönigschmid

gruendergarten.de

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