Film über Frauenpower lockt die Dresdner Startup-Szene an

125 Besucher verfolgten im Impact Hub die Doku „She started it“. Anschließend gaben Gründerinnen wertvolle Tipps. 

Julia Ryssel, Cornelia Jahnel, Alexander Nast, Luisa Dlugay und Romina Kiepsch (von links) diskutierten nach der Filmvorführung auf dem Podium. Foto: Stephan Hönigschmid

Julia Ryssel, Cornelia Jahnel, Alexander Nast, Luisa Dlugay und Romina Kiepsch (von links) diskutierten nach der Filmvorführung auf dem Podium. Foto: Stephan Hönigschmid

Dresden. Die Aufführung der Dokumentation „She started it“ bescherte dem Dresdner Impact Hub am Donnerstag eine volle Hütte. 125 Besucher aus der hiesigen Startup-Szene wollten sehen, wie  die fünf Gründerinnen Thuy Truong, Stacey Ferreira, Sheena Allen, Brienne Ghafourifar und Agathe Molinar über einen Zeitraum von zwei Jahren vor Risikokapitalgebern ihr Geschäftsmodell präsentieren, ihre Teams zusammenstellen und ihre Produkte auf den Markt bringen. Schonungslos sparte der Film dabei auch Phasen des Scheiterns und des Neustarts nicht aus.

Genauso interessant wie der Film war auch die anschließende Podiumsdiskussion mit den Gründerinnen Julia Ryssel, Cornelia Jahnel, Luisa Dlugay und Romina Kiepsch, die gewohnt launig von Alexander Nast moderiert wurde. Auf die Frage, ob sie vergleichbare Erfahrungen gemacht hätten, wie die Unternehmerinnen im Film, hatte jede Gründerin eine kleine Anekdote parat. So erzählte Julia Ryssel vom Liebesspielzeughersteller Laviu, dass sie in der Anfangszeit Schwierigkeiten hatte, Gäste zu empfangen, weil es noch kein repräsentatives Büro gab.

„Ich habe immer versucht zu vermeiden, dass sie ins Büro kommen und stattdessen Treffen bei Starbucks vereinbart“, sagt Ryssel. Zudem hätten manche die Größe des Unternehmens verkannt und gedacht, dass dort bereits 40 Leute arbeiten. Grundsätzlich sei sie jedoch mit ihrer Aufgabe gewachsen. „Anfangs hatte ich noch nicht so viel Selbstsicherheit, aber indem ich eine Hürde nach der anderen überwunden habe, wurde ich immer sicherer“, so Ryssel.

Ähnlich sah das auch Cornelia Jahnel, die mit ihrer Firma TAPODTS im Internet und im Laden hochwertige Frauenschuhe verkauft. „Am besten lernt man durch Versuch und Irrtum. Wichtig ist, dass man immer weiter macht. Auch wenn man mal einen unangenehmen Anruf von einem Kunden oder Investoren bekommen hat, darf man sich nicht entmutigen lassen. Es kommen auch wieder bessere Tage.“ Darüber hinaus sei es zum empfehlen, regelmäßig Rat bei Freuden, Bekannten und Mentoren einzuholen, so Jahnel.

Auf einer großen Leinwand wurde der Film dem Publikum präsentiert. Foto: Stephan Hönigschmid

Auf einer großen Leinwand wurde der Film dem Publikum präsentiert. Foto: Stephan Hönigschmid

Wie entscheidend neben einem Netzwerk und dem nötigen Fachwissen am Ende das richtige Auftreten ist, betonte Luisa Dlugay vom Stullenbüro in der Dresdner Neustadt. „Die Gastronomiebrache ist zwar noch immer eine Männerwelt, aber wenn man sich etwas zutraut und selbstbewusst an die Dinge herangeht, gelingt es auch.“ Sie habe Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Geschäftsleben nie akzeptiert, sondern sei der Meinung, dass grundsätzlich beide das gleiche tun könnten.

Fashion-Bloggerin Romina Kiepsch, die für ein Dresdner Einkaufszentrum in die Tasten haut und der auf Instagram 52.000 Menschen folgen, machte ebenfalls deutlich, dass sie sich mit ihrem Auftreten wirksam verkaufen muss. „Wenn ich auf der Fashion-Week mit Kunden spreche, ist es zwingend, dass ich mich dort sehr sicher präsentierte.“ Das gehöre einfach zum Geschäft, so Kiepsch, die auch verriet, dass in ihrer Familie nicht alle begeistert darüber sind, dass sie bloggt. „Meine Mutter ist Ingenieurin und denkt, dass das mit dem Internet und Social Media nicht das Richtige für mich ist. Ich gehe aber meinen eigenen Weg, weil mich das Bloggen glücklich macht“, sagt Kiepsch, die seit fünf Jahren im Netz aktiv ist.

Dass die Modebloggerin mit dieser Einstellung nicht ganz verkehrt liegt, merkte Cornelia Jahnel mit Blick auf ihre eigenen Erfahrungen an. „Es bringt nichts, wenn man versucht, es jemandem recht zu machen. Authentizität zahlt sich aus. Das habe ich unter anderem bei Gesprächen mit Investoren festgestellt.“ Aus diesem Grund sei es auch falsch, wenn Frauen sich im Geschäftsleben wie Männer verhielten, nur weil sie dächten, so bessere Resultate zu erzielen, so Jahnel.

Zudem sei es essentiell, seine Grenzen zu kennen und diese auch zu kommunizieren. „Ich habe am Anfang immer zu Investoren gesagt, dass ich alles machen kann. Das wollten die aber gar nicht hören. Ihnen war es lieber, wenn man seine Grenzen aufzeigt und auch Aufgaben delegieren kann“, ergänzte Julia Ryssel.

Nach dem Film kamen viele Besucher noch gemütlich ins Gespräch. Foto: Stephan Hönigschmid

Nach dem Film kamen viele Besucher noch gemütlich ins Gespräch. Foto: Stephan Hönigschmid

Trotz der Menge an wertvollen Informationen kristallisierte sich zum Schluss eine Empfehlung heraus, die auf den ersten Blick recht einfach wirkt, an der aber trotzdem viele scheitern: Anfangen. „Gerade Frauen neigen dazu, Unmengen an Informationen zu sammeln, weil sie das Risiko scheuen. Coachings und Netzwerktreffen sind zwar eine Bereicherung, aber man sollte es nicht übertreiben. Ab einem gewissen Punkt muss man einfach loslegen“, erklärte Ryssel dem interessierten Publikum.

Nach der Podiumsdiskussion standen die Gründerinnen den Besuchern noch für persönliche Gespräche zur Verfügung, was diese ausgiebig nutzten.

Zufrieden mit dem Abend zeigten sich indes auch die Veranstalter von Hack.Events. „Wir freuen uns über die positive Resonanz und planen in naher Zukunft weitere Events für die Startupszene. Im Mai veranstalten wir beispielsweise einen Hackathon, zu dem jeder, der sich für Startups begeistern kann, eingeladen ist. Dabei ist es egal, ob man programmieren kann oder nicht“, sagt Alexander Bresk.

Stephan Hönigschmid

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