Diese Gründer kämpfen für bessere Chancen von Quereinsteigern

Das Leipziger Startup Innovailably will die klassischen Bewerbungsverfahren revolutionieren. Statt formaler Kriterien sollen lieber Ideen im Vordergrund stehen.

Das Gründerteam von Innovailably: Ronald Scholz, Susanne Reinhardt, Michael Benz und Pouyan Fard (v.l.n.r.). Foto: Michael Moser

Das Gründerteam von Innovailably: Ronald Scholz, Susanne Reinhardt, Michael Benz und Pouyan Fard (v.l.n.r.). Foto: Michael Moser/PR

Leipzig. Wer ein bestimmtes Profil hat, kann es meist vergessen, sich auf Stellen zu bewerben, die stark davon abweichen. Macht er es doch und wirft beispielsweise als Geisteswissenschaftler seinen Ring für klassische Managementstellen in den Ring, hagelt es in der Regel Absagen. Aber vielleicht ist ja Hoffnung in Sicht. Der Grund ist eine Innovation des Leipziger Startups „Innovailably“. Dieses hat eine Internetplattform entwickelt, die ein völlig neuartiges Bewerbungsverfahren ermöglichen will.

„Ich bin durch meine eigenen Erfahrungen auf die Idee gekommen. Ursprünglich habe ich mal Islamwissenschaften und Ethnologie studiert, dann aber lange Jahre im Business Development eines Forschungsinstitutes gearbeitet und dort die Innovationen vermarktet“, sagt der Geschäftsführer und Mitgründer von Innovailably, Michael Benz. Ihm sei in seinem Umfeld aufgefallen, dass ein Quereinstieg grundsätzlich schwierig sei, weil sich viele Firmen in der Regel starr an formalen Kriterien wie dem Lebenslauf orientierten, so der 31-Jährige.

Geschäftsführer und Mitgründer Michael Benz. Foto: Michael Moser

Geschäftsführer und Mitgründer von Innovailably, Michael Benz. Foto: Michael Moser/PR

Diese Überlegungen stachelten ihn zu einer Geschäftsidee an. „Das Hauptproblem besteht darin, dass viele Menschen Kompetenzen haben, die sie für einen bestimmten Job durchaus qualifizieren, aber aufgrund der althergebrachten Bewerbungsabläufe nicht einmal zum Gespräch eingeladen werden“, sagt Benz. Vor diesem Hintergrund wählte er bei Innovailably gemeinsam mit seinem Team einen anderen Ansatz.

„Weil sich Stellenausschreibungen und Lebensläufe eh gleichen, stellen wir lieber eine Idee in den Vordergrund“, sagt der Gründer und fügt an: „Eine Firma stellt bei uns eine Challenge ein, für die sie eine Lösung braucht. Wer sich dafür interessiert, kann sich nach Registrierung und Hinterlegung eines Profils ein Konzept überlegen.“

Umfangreich muss das nicht sein. Die Nutzer sollen in der Lage sein, bequem auch von unterwegs, zum Beispiel während sie in der Straßenbahn sitzen, mitmachen zu können.

Innovailably gibt die Antworten an die Unternehmen weiter. Interessieren sie sich daraufhin für bestimmte Nutzer, können sie – sofern der jeweilige Nutzer dem zugestimmt hat – mit ihnen in Kontakt treten.

Dies habe den Vorteil, dass der Personaler im Gespräch gleich darauf Bezug nehmen könne und nicht in erster Linie die Zeugnisse und Abschlüsse im Mittelpunkt stünden. Fragestellungen, wie die Suche nach neuen Digitalprodukten für große Versicherungen, die sonst nie in Ausschreibungen auftauchten, kämen so zur Sprache und böten dadurch auch Quereinsteigern eine Chance, so Benz, der vor allem 18- bis 35-Jährige zu seiner Zielgruppe zählt.

Beispiel für eine Challenge. Screenshot: Innovailably

Beispiel für eine Challenge. Screenshot: Innovailably

„Das ist beispielsweise auch für neue Branchen interessant, für die sich herkömmliche Ausschreibungen nicht eignen.“ So sei es schwierig, einen Piloten für zivile Drohnen zu finden, weil das ja kein klassischer Ausbildungsberuf ist. „In diesen Fällen kann das Unternehmen lieber eine Challenge veranstalten, bei der die Bewerber Satellitendaten für die Flugroute von Drohnen berechnen müssen, so der 31-Jährige, der das Verfahren auch für günstig hält, selbst wenn ein Bewerber nicht zum Zuge kommt.

„Durch die Challenge wissen die Personaler, wer sich für welche Fragestellung interessiert. Sie kennen somit die Zielgruppe sehr genau. Außerdem sehen sie anhand von Likes, die von den anderen Nutzern abgegeben werden, die am besten bewerteten Vorschläge. Auf diesen Bewerberpool können sie bei der nächsten Gelegenheit zurückkommen.“

Ziel des Procederes ist es jedoch nicht, Personaler zu ersetzen, sondern die jungen, motivierten Arbeitskräfte per Webapplikation und Smartphone dort abzuholen, wo sie die Angebote auch wahrnehmen. „Denn nicht überall wo Fachkräftemangel draufsteht, ist auch Fachkräftemangel drin. Manche Firmen sind einfach auf den falschen Plattformen unterwegs“, denkt der Geschäftsführer.

Während der Service für die Nutzer kostenfrei ist, müssen die Firmen für diese Form des Recruitments zahlen.Wie viel genau, möchte das Leipziger Startup auf Nachfrage nicht mitteilen. „Durch die Zahlung haben die Firmen Gelegenheit, unbegrenzt Challenges einzustellen“, sagt Benz.

Nach der Firmengründung im März befindet sich die Plattform aktuell in der Beta-Phase und soll in den nächsten Monaten zur Vollversion entwickelt werden. Außerdem ist eine App für Smartphones geplant. Aktuell besteht die Leipziger GmbH aus fünf Leuten, die sich unter anderem um Software und IT sowie Marketing kümmern. Die Finanzierung ist durch ein Exist-Gründerstipendium gesichert.

Stephan Hönigschmid

https://innovailab.ly

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