Leipziger Gründer entwickelt den Algorithmus fürs Mittagessen

Mit seinem Startup „BesserMITTAG“ möchte Thomas Polanski nicht einfach nur Essen liefern, sondern individuell auf die Ernährungsgewohnheiten seiner Kunden eingehen.

Thomas Polanski. Foto: Anne Schwerin/PR

Thomas Polanski. Foto: Anne Schwerin/PR

Founderella: Herr Polanski, stellen Sie bitte kurz Ihre Geschäftsidee vor?

Thomas Polanski: „BesserMITTAG“ liefert wöchentlich Mittagessen ins Büro, eine Lösung für kleine und mittlere Unternehmen, die keine eigene Kantine haben. Die Basis bilden dabei individualisierte Wochenpläne für die einzelnen Mitarbeiter, damit jeder jeden Tag genau das bekommt, was ihm schmeckt.

Was ist das Besondere daran, was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Mittagessen zu liefern ist an sich erstmal nichts Besonderes. Viele Startups bieten Essen zur sofortigen Bestellung und Lieferung. „BesserMITTAG“ möchte jedoch nicht ein einzelnes Mittagessen liefern, sondern Mitarbeiter individuell, ausgewogenen und bezahlbar ernähren. Herzstück ist dabei der „BesserMITTAG“-Algorithmus, der dazulernt, was wem schmeckt und was nicht.

Bestellgewohnheiten, Bewertungen, Ernährungsziele und Unverträglichkeiten fließen dabei in die Entscheidung mit ein. „BesserMITTAG“ bündelt die Gerichte mehrerer Partnerküchen und fügt es zu einem großen Angebot zusammen. Aus diesem Angebot generiert der Algorithmus Vorschläge für abwechslungsreiche Wochenmenüpläne.

Da ist nicht nur für jeden irgendetwas, sondern für jeden das Richtige dabei. Für „BesserMITTAG“-Kunden entfällt so die mühselige tägliche Entscheidungsfindung zur Mittagszeit.

Besser-Mittag-Team-neu

Franziska Sucht, Sabine Rivière, Thomas Polanski und Nancy Rücknagel  (v.l.n.r) von „BesserMITTAG“ auf der Dachterrasse des Basislagers Coworking in Leipzig. Foto: Anne Schwerin/PR

Wie haben Sie herausgefunden, dass es dafür einen Bedarf gibt und sich damit Geld verdienen lässt?

Der Gedanke für „BesserMITTAG“ kam uns, weil mein Team und ich bislang selber jeden Tag unzufrieden mit dem Mittagessen waren. Obwohl unser Arbeitsplatz zentral gelegen ist, machte uns auf Dauer das umliegende Angebot oder mitgebrachte Butterbrote nicht glücklich. Als Chef wollte ich Abhilfe schaffen und auf klassische Lieferdienste zurückgreifen. Es stellte sich allerdings ziemlich schnell heraus, dass dies weder gesund noch bezahlbar ist.

Die Suche nach einem Angebot, das wenig Arbeit macht, zu Teilen vom Arbeitgeber übernommen werden kann und gleichzeitig jedem Mitarbeiter Flexibilität einräumt, blieb erfolglos. Gleichzeitig war damit die Idee für „BesserMITTAG“ geboren. Dass wir nicht die Einzigen mit dem Bedarf sind, ergab sich im Gespräch mit anderen, teilweise ganz unterschiedlichen Unternehmern.

Aktuell befinden wir uns allerdings noch in der Test-Phase. Mit unseren Probierpaketen möchten wir herausfinden, was den Geschmack unserer Kunden am besten trifft, welche Zielgruppe den höchsten Bedarf für unsere Lösung hat und wie die Praktikabilität im Alltag aussieht. Die ersten Umsätze können wir also bereits verzeichnen, sie stehen jedoch derzeit noch nicht im Vordergrund.

Ein Gericht, auf das sich die Kunden von „BesserMITTAG“ freuen können, ist zum Beispiel Auberginencurry. Foto: Besser Mittag/PR

Ein Gericht, auf das sich die Kunden von „BesserMITTAG“ freuen können, ist zum Beispiel Auberginencurry mit Penne für 5,95 Euro. Foto: Besser Mittag/PR

Sprechen Sie eine bestimmte Zielgruppe an?

Unsere derzeitige Lösung ermöglicht die Belieferung kleinerer Unternehmen. Bei drei bis zehn Mitarbeitern ist der wöchentliche Mindestbestellwert problemlos erfüllt und gleichzeitig sind die notwendigen Kühlkapazitäten meist vorhanden. Unsere Zielgruppe sind daher vorerst die freien Berufe, wie Ärzte, Steuerberater, Anwälte und Ingenieure, sowie kleinere Agenturen.

Im Arbeitsalltag bleibt in diesen Berufen oft wenig Zeit für das Mittagessen, weshalb unsere Lösung ideal ist, um zur Qualität der Mittagspause beizutragen. Arbeitgeber wollen wir von unserer Idee dadurch überzeugen, dass wir ihnen die Möglichkeit geben, ihren Mitarbeitern steuerfreundliche Essenszuschüsse zu zahlen und mit unserem Angebot die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern.

Obwohl eine gute Idee eine wichtige Voraussetzung ist, ist der Weg zur Gründung trotzdem kein Automatismus. Was hat bei Ihnen den Ausschlag gegeben, es zu wagen und sich selbstständig zu machen?

Da ich seit neun Jahren im E-Commerce tätig bin und bereits Erfahrung mit Unternehmensgründungen habe, war die Hürde „BesserMITTAG“ zu gründen nicht sehr hoch. Auch wenn ich lernen musste, dass der Bereich Food im E-Commerce etwas anders tickt, so halte ich diesen Bereich für einen der Interessantesten in den nächsten Jahren.

Gab es bestimmte Hindernisse, die Sie überwinden mussten, um das Geschäft ins Laufen zu bringen?

Da wir uns zurzeit in der Testphase befinden, finden wir jeden Tag neue Hindernisse und Hürden, die es zu überwinden gilt.

 Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Sie als Gründer bisher gewonnen haben?

Nicht entmutigen lassen. Der Plan ist das eine, die Realität etwas anderes. Der Marketingplan mit Conversion und Zielumsätzen ist schnell aufgestellt, doch die Umsetzung sieht in der Wirklichkeit teilweise anders aus. Hier muss man dann reagieren und bereit sein umzudenken.

Tauschen Sie sich regelmäßig mit anderen Gründern aus oder haben Mentoren, die Sie beraten?

Beides. Die Sichtweisen klassischer Unternehmer und von Startup-Gründern sind teilweise sehr unterschiedlich, das Gespräch mit beiden zu suchen ist deshalb umso wichtiger. Um einen regen Austausch mit anderen Gründern zu haben, verlegten wir unseren Arbeitsplatz ins Basislager, dem Leipziger Coworking Space für Startups.

Auch Geschnetzeltes hat das Unternehmen im Angebot. Foto: Besser Mittag/PR

Auch Geschnetzeltes hat das Unternehmen im Angebot, hier in Kombination mit grünen Bandnudeln und Champignons zum Preis von 5,45 Euro. Foto: Besser Mittag/PR

Wie sieht Ihre Vision aus, wohin sich Ihr Startup entwickeln soll?

Mit „BesserMITTAG“ bieten wir eine Lösung für alle Unternehmen, die das Thema Mittagessen komplett outsourcen wollen. In der Idee sehen wir das Potential, DIE Plattform für Mittagessen in Deutschland zu werden. Mit dem Wissen, was wem schmeckt, wollen wir angepasste Lösungen für jede Unternehmensgröße schaffen.

Von der wöchentlichen Lieferung für kleine Büros über die Integration klassischer Lieferdienste bis hin zu immer verfügbaren Speisen in Essens-Stationen für große Unternehmen, als Kantinenersatz oder -ergänzung.

Aus wie vielen Personen besteht Ihre Firma gegenwärtig? Wie schnell konnten Sie Mitarbeiter einstellen?

Zurzeit arbeiten wir zu fünft an dem Projekt. In dieser Konstellation haben wir von Anfang an losgelegt, denn ohne die nötige Manpower hätten wir gar nicht erst anfangen brauchen.

Gibt es einen Ratschlag, den Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben würden?

Das Wichtigste ist, so zeitig wie möglich mit dem proof of concept zu starten, anstatt erst ewig die Website, die Programmierung und die Marke zu perfektionieren. Denn letztlich entscheidet das Marktfeedback, welche Idee ankommt. Selbst wenn vielleicht das Sahnehäubchen noch nicht perfekt sitzt, sollte man keine Angst davor haben, Feedback einzuholen.

Interview: Stephan Hönigschmid

http://bessermittag.de

Kurzbiographie: 

Thomas Polanski ist 42 Jahre alt, hat Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre studiert und sich im Bereich Online-Marketing spezialisiert. Zunächst war der gebürtige Leipziger im E-Commerce tätig, bevor er im Januar 2017 „BesserMITTAG“ startete. 

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