Flixbus-Gründer: So haben wir gegen Bahn und Post gewonnen

Bei einem Vortrag an der TU Dresden verrät André Schwämmlein, wie es das Startup geschafft hat, sich gegen harte Wettbewerber im Fernbusmarkt durchzusetzen und wie es jetzt weitergehen soll.  

Flixbus-Gründer André Schwämmlein während seines Vortrages im Hörsaalzentrum der TU Dresden. Foto: Stephan Hönigschmid

Flixbus-Gründer André Schwämmlein während seines Vortrags im Hörsaalzentrum der TU Dresden. Foto: Stephan Hönigschmid

Dresden. „Wir hatten das wenigste Geld und waren die kleinsten. Aber wir wollten einfach mehr, als alle anderen“, verriet einer der Gründer von Flixbus, André Schwämmlein, kürzlich das Erfolgsgeheimnis des Startups beim Gründerfoyer von Dresden exists im Hörsaalzentrum der TU Dresden.

Neben hohen Zielen spielte allerdings noch eine weitere Komponente eine Rolle, die der Firma dabei geholfen hat, gegen mächtige Mitbewerber wie die Deutsche Bahn oder die Post zu bestehen und als einziges Unternehmen im Fernbusmarkt übrig zu bleiben. „Viele Wettbewerber haben gedacht, dass sie gewinnen, wenn sie am besten Bus fahren können. Dabei ging es in erster Linie darum, Menschen zu finden, die gern Bus fahren.“

Und die täten das vor allem, weil sie irgendwo ankommen möchten, um Freunde und Familie zu treffen. „Man sieht das zum Beispiel auf Fotos, die uns Kunden per Instagram schicken, da sind kaum Busse drauf, weil es darum nicht geht“, so Schwämmlein.

Es geht um Begegnungen, nicht ums Busfahren

Gleichzeitig habe man Standards gesetzt, die heute ganz normal seien. „Moderne Busse mit WLAN sind inzwischen selbstverständlich. Das war früher nicht so“, sagt der Gründer, der stets einen ganzheitlichen Ansatz aus günstigen Preisen, einem attraktiven Streckennetz und einem unkomplizierten Buchungssystem im Sinne hatte, als er mit Flixbus als fünftes Unternehmen in den deutschen Fernbusmarkt eingestiegen ist.

Interessiert lauschte das Publikum in lockerer Atmosphäre den Worten von André Schwämmlein. Foto: Stephan Hönigschmid

Interessiert lauschte das Publikum in lockerer Atmosphäre den Worten von André Schwämmlein. Foto: Stephan Hönigschmid

300 mittelständische Busunternehmen aus ganz Europa sind mittlerweile mit 1500 Bussen und 5000 Fahrern für Flixbus tätig. Obwohl das System heute etabliert ist, war es anfangs nicht leicht, die Unternehmen zu überzeugen. „Wir sind zwei Jahre rumgetourt und haben uns mit Unternehmern getrofffen. Wir haben ihnen versprochen, dafür zu sorgen, dass sie durch uns lange Zeit ein gutes Geschäft haben werden“, sagt Schwämmlein.

Bis vor kurzem hat Flixbus, obwohl es die Fahrten vermittelt, selbst keinen einzigen Bus besessen. Das sei aus Sicht des Unternehmens auch nicht notwendig gewesen. Dennoch habe die Aufsichtsbehörde verlangt, dass die Firma wenigstens einen Bus kauft, sagt Schwämmlein.

Viele Fehler machen und diese schnell korrigieren

Trotz der Tatsache, dass Flixbus in einem Markt, in dem es in der Spitze neun Konkurrenten gab, als einzige Firma überlebt hat, räumte der Flixbus-Gründer in Dresden ein, dass seit dem Start im Jahr 2013 nicht immer alles perfekt gelaufen ist.

„Der Unterschied zu anderen ist der, dass wir zwar auch ohne Ende Fehler gemacht haben, diese aber auch schnell korrigiert haben“, sagt Schwämmlein und fügt an: „Die Post hat zum Beispiel ein Jahr gebraucht, um ihr Buchungssystem zu starten. Wir haben das anders gemacht. Wir haben einfach eins gekauft. Das hat zwar ebenfalls nicht sofort funktioniert, ging dann aber erst einmal. Und später haben wir es erneut ersetzt.“ Man dürfe die Dinge nicht überanalysieren, sondern müsse erst mal loslegen, sagt Schwämmlein.

(André Schwämmlein beantwortet Fragen aus dem Publikum und sagt, wie er und seine Mitgründer die Geschäftsidee entdeckt haben. Video: Stephan Hönigschmid)

Wichtig sei es zudem, über seinen eigenen Schatten zu springen. „Mein Fernbus war unser härtester Wettbewerber. Es war wichtig zu erkennen, dass wir nur eine Chance haben, wenn wir uns zusammentun. Ansonsten wären wir alle pleite gegangen und die Bahn hätten diesen Markt doch noch bekommen“, sagt Schwämmlein.

Vergleichbar pragmatisch war das Münchner Startup am Anfang auch bei der Auswahl der Strecken. „Es ist in Deutschland ja nicht so leicht, gute Verkehrsdaten zu bekommen. Wir haben daher zunächst auf der Internetseite von Mitfahrgelegenheit geschaut, welche Strecken am besten laufen und so unseren ersten Linienbahn kreiert“, so Schwämmlein.

Viele Besucher waren extra wegen des Vortrags in das Hörsaalzentrum gekommen. Außerdem informierten sie sich an den verschiedenen Ständen über das Thema der Unternehmensgründung. Foto: Stephan Hönigschmid

Viele Besucher waren extra wegen des Vortrags in das Hörsaalzentrum gekommen. Außerdem informierten sie sich an den verschiedenen Ständen über das Thema Unternehmensgründung. Foto: Stephan Hönigschmid

In den kommenden Jahren möchten er und sein Kompagnon Jochen Engert gemeinsam mit dem  1000 Mitarbeiter umfassenden Team weiter kräftig wachsen. Wie Schwämmlein in Dresden andeutete, könne das Unternehmen nicht ohne Weiteres aufhören zu wachsen. Wachstum sei notwendig, um noch besser von den Netzwerkeffekten eines immer größeren Streckennetzes zu profitieren und sich so nicht nur kurz-, sondern langfristig im Markt zu behaupten.

Höhere Ticketpreis eher unwahrscheinlich

Trotz der reduzierten Buskonkurrenz sind deshalb auch höhere Ticketpreise eher unwahrscheinlich. „Wir müssen der günstigste Verkehrsträger bleiben. Denn ich möchte, dass es die Leute ausprobieren.“ Gegenwärtig sei die Preisstruktur ähnlich wie 2013.

„Durch die verbesserte Marktposition hat sich aber unsere Auslastung verbessert. Während sie früher bei 40 bis 50 Prozent lag, erreichen wir jetzt im Schnitt 60 Prozent“, so Schwämmlein, der mit seiner Firma bisher 70 Millionen Kunden befördert hat.

Stephan Hönigschmid

www.flixbus.de

Kurzprofil:

Flixbus wurde 2011 unter dem Namen GoBus gegründet und Anfang 2013 in Flixbus umbenannt. Im Rahmen der Liberalisierung des Fernbusverkehrs in Deutschland und einer Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes startete das Unternehmen am 13. Februar 2013 mit vier täglichen Linien durch Süddeutschland. Am 7. Januar 2015 kündigten Flixbus und MeinFernbus an, zu fusionieren. Im Juli 2017 hatte Flixbus in Deutschland einen Marktanteil von 93 Prozent erreicht.

Quelle Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Flixbus

Weitere Videos von der Veranstaltung: 

(André Schwämmlein berichtet über die verschiedenen Etappen beim Aufbau der Firma. Video: Stephan Hönigschmid) 

(Flixbus-Mitgründer André Schwämmlein erläutert, was das Startup besser gemacht hat, als die Konkurrenz, um erfolgreich am Markt zu bestehen. Video: Stephan Hönigschmid) 

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