Was ist Euch die Tagesschau wert? Dieser Gründer führt die Mitbestimmung im Rundfunk ein

Zwei Informatiker haben eine Internetseite entwickelt, auf der Nutzer ihren Rundfunkbeitrag auf Sendungen aufteilen können. Im Vergleich zu den Einschaltquoten gibt es dabei Überraschungen. 

Robert Schäfer. Foto: privat

Robert Schäfer hat sich überlegt, wie Mitbestimmung beim Rundfunk aussehen könnte. Foto: privat

Dresden/Potsdam. Welche Aufgabe hat der Rundfunk? Immer wieder beschäftigt diese Frage die Gemüter. Allerdings kommt bei den Diskussionen nur selten etwas Konstruktives heraus. Um dies zu ändern, hat der Potsdamer Informatik-Student Robert Schäfer kürzlich in Dresden gemeinsam mit der User Experience Designerin Katharina Ehrhardt ein neues Modell vorgestellt.

„Die Erwartungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind sehr unterschiedlich. Manche lehnen Unterhaltungssendungen ab und möchten nur Nachrichten und Bildungsangebote sehen, während andere auch die bunten Formate schätzen. Schwierig ist dabei vor allem zu sagen: Was ist Qualität?, denn das ist nicht definiert“, sagt der 28-Jährige, der von einem Vortrag des Gründers der Open-Knowledge-Foundation, Rufus Pollock, zu der Idee inspiriert wurde. Dieser hatte vorgeschlagen, freie, digitalisierbare Inhalte öffentlich zu finanzieren, was Schäfer gleich an den Rundfunkbeitrag in Deutschland erinnerte und in ihm den Wunsch auslöste, eine Art demokratische Mitbestimmung einzuführen.

Katharina Ehrhardt. Foto: privat

Katharina Ehrhardt. Foto: privat

„Obwohl ich in einem Telefonat mit der ARD-Strategieabteilung erfahren habe, dass dort Umfragen durchgeführt werden, um im Sinne eines Public Value zu erfahren, was den Menschen wichtig ist, fand ich die Fragen nach der Zustimmung zu Themen wie Bildung und Unterhaltung im Rundfunk zu vage. Ich habe mir daher gemeinsam mit Katharina überlegt, wie es wäre, wenn jeder einzelne Fernseh- und Radionutzer eine Stimme hätte und seine monatliche Rundfunkgebühr von 17,50 Euro exakt auf seine Lieblingssendungen aufteilen könnte“, so Schäfer.

Gesagt, getan. Im August 2016 geht ihre Website rundfunk-mitbestimmen.de an den Start und erfreut sich mit bisher reichlich 56.000 Impressionen einiger Beliebtheit. 459 Sendungen wurden auf diese Weise von 750 registrierten Nutzern bereits bewertet und mit einer virtuellen Summe von 9795 Euro ausgestattet. Interessant sind bei den Zahlen besonders die Abweichungen zu den gemessenen Einschaltquoten.

Nutzer würden gern fürs Neo Magazin Royale zahlen

„Sendungen wie der Weltspiegel, Monitor, aber auch das Neo Magazin Royale, die eigentlich keine guten Einschaltquoten haben, werden von unseren Nutzern durchaus geschätzt“, sagt der Student. So wiesen die Nutzer dem Neo Magazin Royale bis Mitte November im Schnitt 2,90 Euro und insgesamt 567,55 Euro zu, was einer Zustimmung von 83 Prozent entspricht.

Dass die Daten nicht repräsentativ sind, findet der 28-Jährige nicht schlimm. „Wir rechnen nicht hoch. Grundsätzlich geht es darum, dass jeder ganz demokratisch eine Stimme hat, um abzustimmen.“ Das sei wie bei einer Wahl. Nur diejenigen, die zur Wahl gingen, bestimmten, wie sich das Parlament zusammensetzt, so Schäfer.

Neben den Bewertungen sollen demnächst auch die Beziehungen der Sendungen zueinander zu sehen sein. „Ähnlich wie bei den Empfehlungen bei Amazon erfahren die Nutzer mit dieser Funktion, welche Formate oft gemeinsam ausgewählt worden sind“, sagt Schäfer, der den Rundfunkräten von ARD und ZDF mit seiner Internetseite eine Gesprächsgrundlage für die künftige Programmgestaltung liefern möchte.

Stephan Hönigschmid

https://rundfunk-mitbestimmen.de

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