Print statt digital – Dresdner erfindet das Jahrhundertbuch

Felix Bormann hat ein Buch kreiert, das Menschen durch ihr ganzes Leben begleitet. In jedem Alter müssen sie Aufgaben erfüllen. Für diese Idee zeichnet ihn die Bundesregierung aus.

Felix Bormann mit seinem Buch. Foto: Your100Years

Felix Bormann mit seinem Buch. Foto: PR/Your 100 Years

Dresden. Der Blick auf die Facebook-Timeline macht Felix Bormann (29) nachdenklich. „Ich habe mir vorgestellt, wie es wohl ist, wenn meine kleine Tochter einmal ihren Enkeln von ihrem Leben berichtet. Der Gedanke, dass sie dafür vielleicht Facebook benutzt, hat mir nicht gefallen“, sagt Bormann. Dennoch haben diese Überlegungen auch ihr Gutes, bringen sie ihn doch auf eine Geschäftsidee.

Zwei Aufgaben pro Lebensjahr

„Trotz der Allgegenwart der Digitalisierung habe ich sofort an ein klassisches Buch gedacht“, sagt er und erläutert das Konzept: „Das Buch erstreckt sich über 100 Jahre und hält für jedes Lebensjahr zwei Seiten parat.“ Obwohl das im ersten Moment nicht wirklich neu klingt und an das  klassische Fotoalbum mit eingeklebten Bildern erinnert, hat sich Felix Bormann genau überlegt, wie er bei den potenziellen Käufern punkten will. „Bei herkömmlichen Alben haben die Leute irgendwann keine Lust mehr, diese fortzuführen. Deshalb habe ich ihnen eine kleine Hilfestellung in Form einer Struktur gegeben“, sagt er.

Verbunden ist diese Struktur mit bestimmten Aufgaben, zwei für jedes Lebensjahr. So heißt es beispielsweise mit vier Jahren: Zeige auf dem Spielplatz, was du kannst. Mit zehn Jahren dann die Aufforderung: Pflanze einen Baum und mit 21: Fertige einen Stammbaum an. Weil sich das Buch über das gesamte Lebens erstreckt, geht es auch in höheren Semestern weiter. Spendiere einem Obdachlosen ein Essen, heißt es mit 43, übernachte mal wieder bei einem Freund mit 49 und mache ein Spaßfoto von dir mit 76.

„Das Buch soll einen Menschen durch sein Leben begleiten. Erst führt er es zusammen mit den Eltern und später dann allein“, sagt Bormann. Teil der vorgegebenen Struktur ist auch, dass die jeweiligen Motive, die zu den Aufgaben passen, kunstvoll vorgezeichnet sind und inmitten der Darstellung Raum für eigene Fotos bieten. Diese dienen auch dazu, um die Erledigung der jeweiligen Aufgabe zu beweisen.

Digitales ist vergänglich, ein Buch bleibt

Obwohl der Dresdner in leitender Funktion in einer Softwarefirma arbeitet und eigentlich zu den sogenannten Digital Natives zählt, sagt er: Digitale Informationen gehen schnell verloren. Mein Buch kann man hingegen einfach in die Schrankwand stellen und dort seine Erlebnisse festhalten.“ Jedes Buch wird individualisiert und enthält den Namen und das Geburtsdatum des Kindes sowie die Größe bei der Geburt auf der Titelseite.

Da Felix Bormann Wert auf Qualität legt und das Buch, das er unter dem Namen „Your 100 Years“ vermarktet, tatsächlich 100 Jahre halten soll, hat es auch seinen Preis. „Jedes Buch ist eine Einzelanfertigung und kostet 99,95 Euro. Es verfügt über eine Fadenheftung und einen Kunstlederrücken.“ Gegenwärtig sei es in elf Sprachen erhältlich. Neben Deutsch, unter anderem in Englisch, Arabisch und Russisch, so Bormann.

Felix Bormann (re.) und sein Team von Your 100 Years. Foto: PR/Your 100 Years

Stanley Pietruske, Huyen Nguyen, Sebastian Busch, Anne Meffert und Felix Bormann (von links) bilden das Team von Your 100 Years. Foto: PR/Your 100 Years

Eineinhalb Jahre hat der Dresdner Gründer an dem Projekt gesessen, bis alles so war, wie es es sich vorgestellt hat. Jetzt möchte er sich hauptberuflich damit beschäftigen und seine eigene Firma aufbauen. Eine erste Anerkennung gab es bereits. Erfolgreich nahm Bormann mit seinem Team an dem Wettbewerb Kultur- und Kreativpiloten Deutschland der Bundesregierung teil, der jedes Jahr 32 Unternehmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft aus ganz Deutschland auszeichnet.

Die offizielle und feierliche Titelverleihung findet Anfang 2018 in Berlin statt. Alle Titelträger nehmen an einem einjährigen Mentoring-Programm mit Workshops und Coachings teil. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) überreichte am 1. Dezember in Berlin bereits die entsprechenden Einladungen.

Stephan Hönigschmid

www.your100years.de

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