Peter Escher spricht übers Scheitern und überzeugt mit viel Optimismus

Der Moderator war auf der 8. Flip-the-Flop-Night in Dresden zu Gast. Dort verriet er, welchen Schluss er aus seiner Insolvenz gezogen hat.

Peter Escher während seines Auftritts bei der Flip-the-Flop-Night. Foto: Stephan Hönigschmid

Peter Escher während seines Auftritts bei der Flip-the-Flop-Night. Foto: Stephan Hönigschmid

Dresden. Wie schaffen Sie es eigentlich, dass Sie so optimistisch geblieben sind? Diese Frage stellte bei der 8. Ausgabe der Flip-the-Flop-Night in Dresden (ehemals Fuck-up-Night) eine Frau aus dem Publikum Fernsehmoderator Peter Escher und traf damit den Nagel auf den Kopf. Denn obwohl Escher darüber berichtete, wie er mit viel Elan seine Verbraucherberatung „Ein Fall für Escher“ 2015 aus dem Fernsehen ins Internet übertragen hat, aber bereits 2016 nach neun Monaten Insolvenz anmelden musste, interessierte die Leute vor allem, warum er trotzdem so gut drauf war. 

Dankbarkeit statt Frust

Peter Escher während seines Auftritts bei der Flip-the-Flop-Night. Foto: Stephan Hönigschmid

Statt zurück blickte Peter Escher lieber nach vorn. Foto: Stephan Hönigschmid

„Es bringt ja nichts, wenn ich die nächsten Jahre, die mir noch bleiben, mit einem zerknirschten Gesicht durchs Leben laufe“, sagte Escher und fügte an: „Ich bin dankbar dafür, dass ich gesund bin und dass meine Frau in der schweren Zeit zu mir gehalten hat.“ Dennoch zog der Moderator auch Lehren aus seinem Scheitern. „Man sollte nur das machen, was einem Spaß macht und was man kann. Daher sage ich: Ich bin begeisterter Journalist, Moderator und Verbraucherexperte, aber kein Geschäftsführer.“

Ein wenig anders war die Situation beim einem weiteren Redner des Abends, Gregor Merker. Im Gegensatz zu Escher schien er das Ende seines Unternehmens „Topf Secret“ noch nicht vollständig abgehakt zu haben. Der gelernte Koch hatte 2014 einen Lieferservice für hochwertige Fertiggerichte gestartet. Statt auf Pizza & Co. setzte er auf ausgewogene Gerichte, zum Beispiel in Gestalt von vorgekochten Kartoffeln und Fleisch. Zentrales Element seiner Geschäftsidee war dabei, dass Lieferdienste lediglich eine Mehrwertsteuer von 7 Prozent entrichten müssen. „Das ist auch der Grund, warum momentan die Foodtrucks so boomen“, klärte Merker auf. 

Lieferdienst wird fehlende Homepage zum Verhängnis

Obwohl jedoch bei ihm theoretisch alles klar war, klappte es praktisch nicht. Der Grund: Die bei einer Agentur in Auftrag gegebene Homepage funktionierte nicht. „Auf der Internetseite wurde alles zu groß und verschoben angezeigt. Außerdem war der Webshop nicht einsatzbereit“, sagte Merker und ergänzte: „Anstatt jedoch die Fehler zu beheben, legte mir die Agentur einfach ein Angebot für eine neue Homepage vor.“

Gregor Merker sprach bei der Flip-the-Flop-Night über das Scheitern seines Unternehmens "Topf Secret". Foto: Stephan Hönigschmid

Gregor Merker sprach bei der Flip-the-Flop-Night über das Scheitern seines Unternehmens „Topf Secret“. Foto: Stephan Hönigschmid

Da Merker kein Geld hatte, die Verantwortlichen zu verklagen, änderte er notgedrungen das Konzept. „Ich hatte ja einen kleinen Raum am Wettiner Platz, der eigentlich mein Büro sein sollte. Dort habe ich zwölf Sitzplätze eingerichtet.“ Mit dem Restaurantbetrieb sowie Cateringaufträgen hat er sich in den folgenden Jahren über Wasser gehalten, bis er Anfang 2017 einen weiteren Anlauf mit der Homepage wagte, um sein ursprüngliches Konzept doch noch umzusetzen. Allerdings schien es auch diesmal in puncto Homepage wie verhext zu sein. 

Keine Zeit zum Reflektieren

„Es war zwar eine andere Agentur, aber erneut funktionierte die Internetseite nicht. Ich bin auf- und abgesprungen, aber es half nichts“, sagte Merker. Weil zu diesem Zeitpunkt auch die letzten finanziellen Reserven aufgebraucht waren, musste er in der Folge Insolvenz anmelden. Heute arbeitet Merker wieder als festangestellter Koch und hat rückblickend vor allem einen Schluss aus seiner Zeit als Gründer gezogen: „Ich stand von Anfang an unter Druck und musste Geld verdienen. Es wäre besser gewesen, mehr Zeit zu haben, um gelegentlich darüber nachzudenken, ob wirklich alles gut läuft oder man etwas ändern muss.“

Gewohnt souverän und unterhaltsam führte Alexander Nast durch den Abend. Foto: Stephan Hönigschmid

Gewohnt souverän und unterhaltsam führte Alexander Nast durch den Abend. Foto: Stephan Hönigschmid

Sören Frost verkündet, dass er 400 Euro für das Krebsprojekt von Simon Saloßnick spendet. Foto: Stephan Hönigschmid

Flip-the-Flop-Gründer Sören Frost verkündete am Ende des Abends, dass er von den Einnahmen der Veranstaltung 400 Euro für das Kinder-Krebsprojekt von Simone Saloßnick spendet. Foto: Stephan Hönigschmid

Neben den Auftritten von Merker und Escher stand im Sarrasani-Zirkuszelt im Dresdner Elbepark auch Nikolaus Förster auf der Bühne. Dieser war bis von 2009 bis 2013 Chefredakteur des Magazins Impulse beim Großverlag Gruner und Jahr. Nach einem Management Buy-out übernahm er das Magazin selbst und wurde Unternehmer. 

Scheitern als Altersweisheit

Bei der Flip-the-Flop-Night berichtete der Journalist weniger über eigene Fehler, sondern über die Fehler von anderen. Unter der Überschrift „Mein größter Fehler“ gibt es bei Impulse eine feste Rubrik, in der gestandene Unternehmer im Seniorenalter über ihre Niederlagen und Erkenntnisse sprechen. Mittlerweile hat Förster auch ein Buch daraus gemacht. „Ich habe vor neun Jahren entschieden, dass ich nicht wissen will, was alles toll ist, sondern dass mich der größte Fehler interessiert. Die zweite Entscheidung war, ausschließlich ältere Menschen zu fragen, weil diese bereits mit einer gewissen Gelassenheit zurückblicken.“ 

Unter dem Titel "Mein größter Fehler" hat Nikolaus Förster dem Scheitern in seinem Magazin Impulse eine eigene Rubrik gewidmet. Foto: Stephan Hönigschmid

Unter dem Titel „Mein größter Fehler“ hat Nikolaus Förster dem Scheitern in seinem Magazin Impulse eine eigene Rubrik gewidmet. Foto: Stephan Hönigschmid

Nikolaus Förster hielt es nicht nur auf der Bühne. Der Journalist wollte auch von den Menschen im Publikum wissen, was sie als ihren größten Fehler betrachten. Foto: Stephan Hönigschmid

Nikolaus Förster hielt es nicht nur auf der Bühne. Der Journalist wollte auch von den Menschen im Publikum wissen, was sie als ihren größten Fehler betrachten. Foto: Stephan Hönigschmid

Aufschlussreich war für Förster das Feedback seiner Leser auf die Rubrik. „Einige haben dadurch erkannt, dass es nicht nur böse Konzerne gibt, sondern auch ganz sympathische Familienunternehmer und Gründer. Mancher hat daraufhin selbst eine Firma gegründet“, sagte Förster.

Stephan Hönigschmid

http://www.gruendernest.com/fliptheflopnights-dresden

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