Der lernende Elektroantrieb aus Zwickau

Die Nachrüstlösung des Startups „Pendix“ verwandelt normale Räder in E-Bikes. Das System passt sich dabei dem individuellen Fahrverhalten des Radbesitzers an.

Christian Hennig, technischer Geschäftsführer des Startups „Pendix“ aus Zwickau. Foto: Pendix

E-Bikes sind auf dem Vormarsch. 2018 wurden etwa 900.000 verkauft, doppelt so viele wie 2014. Gleichzeitig gibt es aber auch immer wieder Zweifel an der Sicherheit elektrisch betriebener Fahrräder. Das Zwickauer Startup „Pendix“ hat sich für diese Herausforderung eine Lösung überlegt – und das mit einem Antrieb, mit dem herkömmliche Fahrräder nachgerüstet werden können. Das System lernt stetig dazu und passt sich dem Fahrstil des Besitzers an. Wie das genau funktioniert, erklärt der technische Geschäftsführer von „Pendix“, Christian Hennig, im Interview. 

Herr Hennig, wäre es Ihnen vor 15 Jahren in den Sinn gekommen, dass Sie heute Elektroantriebe für Fahrräder entwickeln?

Nein, auf keinen Fall. Keiner aus dem Gründerteam von Pendix hätte das erwartet, würde ich sagen. Wir haben uns während des Studiums an der Westsächsischen Hochschule Zwickau kennengelernt. Zwickau ist eine Autostadt, da denkt man an die Werke von Horch bzw. Audi, VEB Sachsenring mit seinem Trabi und nicht zuletzt ist VW jetzt der größte Arbeitgeber hier in der Gegend. Die WHZ ist spezialisiert auf Automobilisten. Aber warum sollte man nicht Wissen aus der Automobilbranche für Fahrräder nutzen?

Welche Ziele wollten Sie mit Ihrem Antrieb erreichen?

Wir haben uns von einem Grundgedanken leiten lassen, die die Entwicklung des Pendix eDrive in allen Details bestimmt hat: Einfachheit und Flexibilität. Wir wollten den Kunden die Möglichkeit bieten, ihr Fahrrad – egal ob Faltrad, Lastenrad oder Mountainbike mit Pendix auch weiterhin ohne E-Unterstützung zu nutzen, so dass sie quasi zwei Räder in einem haben. Dann wollten wir noch möglichst wenig Teile, die kaputt gehen können. Daher kommt unser Pendix auch ohne Getriebe aus. Es gibt nicht mehr Kabel als wirklich notwendig, kein Display, die Bedienung ist intuitiv. 

Das Zwickauer Startup „Pendix“ stellt Antriebe her, mit denen normale Räder in E-Bikes verwandelt werden können. Foto: Pendix

Was war für Sie die größte Herausforderung bei der Entwicklung des Pendix eDrive?

Eine besondere Schwierigkeit war es, das natürliche Fahrgefühl zu erhalten, sowohl beim Fahren mit als auch ohne E-Unterstützung. Da der Motor kein Getriebe hat, gibt es schon mal kaum Tretwiderstand, wenn der Akku ausgeschaltet ist. Das unterscheidet ihn von vielen E-Bikes. Außerdem ist er so sehr leise und mit 6,5 Kilogramm für das Gesamtsystem inklusive Akku auch verhältnismäßig leicht. So kann man fast vergessen, dass zusätzliche Komponenten am Fahrrad angebracht sind. Die wirkliche Herausforderung bestand darin, die zusätzliche Kraftentfaltung des E-Motors möglichst sensibel und natürlich an das Tretgefühl anzupassen.

Und wie individuell kann das System dann auf den Fahrer reagieren?

Der Antrieb lernt seinen Fahrer allmählich kennen und passt sich mit der Zeit immer differenzierter an. Innerhalb der ersten 500 Meter nach Anbau kalibriert sich die Motorregelung. Erst wenn das abgeschlossen ist, wird der Motor aktiv und hilft beim Treten. Und danach stellt sich der Pendix eDrive immer neu auf das Tretverhalten des Fahrers ein, und zwar durch die kontinuierliche Auswertung des Tretsignals und der Reaktion darauf. So erkennt das System, in welchem Winkel, mit welcher Kraft und Geschwindigkeit getreten wird.

Ist das das Pendix-Alleinstellungsmerkmal? Und warum macht es das Fahren sicherer?

Im Moment ja. Die genau abgestufte Reaktion auf die Tagesform und persönliche Leistungsfähigkeit des Radfahrers wird auf jeden Fall immer wichtiger werden und trägt wesentlich zur Sicherheit bei. Wenn ein 80-jähriger Nutzer nur über die reine Drehzahlregelung 25 Stundenkilometer erreicht, obwohl er das nicht sicher fahrerisch handhaben kann, machen wir die Pedelecs unnötig unsicher. So passieren dann die Unfälle, von denen man immer wieder hört und liest.

Und dann gibt es ja noch eine App….

… na klar, heute geht ja gar nichts ohne dazugehörige App. Wir wollten unseren Endkunden weitere Funktionen bieten, allerdings ohne extra Hardware. Das wären ja nur wieder zusätzliche, fehleranfällige Komponenten gewesen. Warum also nicht auf das Smartphone zurückgreifen, das ja eh so gut wie jeder nutzt? Neben der Navigationsfunktion und diversen Streckeninfos liefert die App auch Daten zur Trittfrequenz im Verhältnis zur Unterstützungsstufe. Die hat im Fall unseres Direktantriebs einen großen Einfluss auf die Reichweite.

Wie sieht denn die Zukunft des Pendix eDrive aus?

In Zukunft möchten wir gern erreichen, dass die Nutzer die einzelnen Unterstützungsstufen über die App noch feiner einstellen und an ihre jeweiligen Bedürfnisse anpassen oder auch verschiedene Fahrprofile anlegen können. Dafür ist die Motorsteuerung gefragt. Dabei muss man auch die sich derzeit im stetigen Wandel befindlichen normativen Vorgaben im Blick haben, um mit allen neuen Funktionen auch die Richtlinien und gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten.

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