Dieses Startup aus Dresden bringt Roboter in die Backstube

Große Firmen bauen 5G-Netzwerke auf, um ihre Produktion zu automatisieren. Kleine Unternehmen können sich das oft nicht leisten. Das 5G Lab der TU Dresden und das Startup Wandelbots wollen ihnen deshalb helfen. 

Wandelbots-Mitarbeiter Gunther Mielke führt vor, wie der Roboter in der Backstube „angelernt“ wird. Foto: Stephan Hoenigschmid

Wandelbots-Mitarbeiter Gunther Mielke führt vor, wie der Roboter in der Backstube „angelernt“ wird. Foto: Stephan Hönigschmid

Dresden/Görlitz. Mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G steht die nächste industrielle Revolution in den Startlöchern. In naher Zukunft werden alle Maschinen in einer Fabrik miteinander sowie mit dem Internet verbunden sein. Allerdings profitiert noch nicht jeder von der Technologie. Vor allem kleine Firmen haben meistens nicht das Geld, Industrieroboter für 50.000 Euro und mehr zu kaufen. Schlagworte wie Industrie 4.0 oder „Internet der Dinge“ sind ihnen zwar bekannt, dennoch haben sie bisher keinen Zugang. Ein gemeinsames Pilot-Projekt des Dresdner Startups Wandelbots, des 5G Labs der Technischen Universität Dresden und der Bäckerei und Konditorei Tschirch in Görlitz will das jetzt ändern.

Hilfe bei monotonen Aufgaben

Wandelbots bringt dabei seine Roboter direkt in die Backstube des mittelständischen Betriebes in Ostsachsen. Per Software und Sensorjacke macht es das Startup möglich, dass auch Menschen ohne Programmierkenntnisse einen Roboter programmieren können. Der Mitarbeiter muss lediglich eine Bewegung vormachen und der Roboter „lernt“ diese mit seinem Algorithmus.

In der Görlitzer Bäckerei lohnt sich das zwar nicht für jede Aufgabe, dennoch gibt es Anwendungsfälle. So sei es gegenwärtig eine recht monotone Aufgabe, wenn die in einer Maschine geformten Semmeln auf die sogenannten Kipprahmen gelegt würden, bevor sie in einer Teiglingskiste in den Kühlschrank kämen. „Bei reichlich 5.000 Semmeln pro Tag ist es ökonomisch sinnvoll, den Roboter dafür einzusetzen“, sagt Bäckermeister Michael Tschirch. 

Vor allem für ständig wiederkehrende Aufgaben, die recht monoton sind, kann die Erfindung von Wandelbots hilfreich sein. Foto: Stephan Hönigschmid

Vor allem für ständig wiederkehrende Aufgaben, die recht monoton sind, kann die Erfindung von Wandelbots hilfreich sein. Foto: Stephan Hönigschmid

Roboter statt Azubi

Dass die Roboter überhaupt in die Backstube einziehen, ist eher dem Zufall geschuldet. „Ein Freund von mir arbeitet in Herrn Tschich’s Bäckerei als Geselle. Er erzählte mir, dass es für die Firma schwierig sei, in der Region gute Azubis zu finden. Da habe ich im Spaß geantwortet, dass wir ja zur Unterstüztung einen unserer Roboter in die Backstube stellen könnten“, erinnert sich Wandelbots-Mitgründer und Geschäftsführer Christian Piechnick (33). 

Doch obwohl ihm die Idee gefiel, konnte er sie mit seinem Team nicht sofort umsetzen. Der Grund: Für derart kleinteilige Anwendungen gibt es kein Geschäftsmodell. Daher rechnet es sich (noch) nicht. Weil das Dresdner Startup trotzdem etwas für die Region tun wollte, sprach Christian Piechnik mit Professor Frank Fitzek vom 5G Lab der TU Dresden über seine Idee. Fitzeks Assistent Thomas Höschele berichtet, was dann passierte.

„Christian Piechnick hat uns von seinen Vorstellungen erzählt und wir fanden es interessant. Indem wir daraus ein Forschungsprojekt gemacht haben, können wir es nun umsetzen“, sagt Höschele und fügt an: „ Wir haben bereits die Fördermittelzusage des Bundesforschungsministeriums und wollen Anfang 2020 mit dem Projekt loslegen.“

Wandelbots-Geschäftsführer Christian Piechnick, Bäckermeister Michael Tschirch and Thomas Hoeschele vom 5G-Lab derTU Dresden (v.l.n.r.) Foto: Stephan Hoenigschmid

Wandelbots-Geschäftsführer Christian Piechnick, Bäckermeister Michael Tschirch und Thomas Höschele vom 5G-Lab der TU Dresden (v.l.n.r.) Foto: Stephan Hönigschmid

Bäckerei als High-Tech-Standort

Damit alle Geräte ordnungsgemäß funktionieren, muss die Bäckerei in einen High-Tech-Standort umgewandelt werden. Das geht allerdings unkomplizierter, als es sich anhört. „Wir bauen in der Bäckerei ein 5G-Netz auf. Dieses kommuniziert mit einem Server direkt vor dem Laden, welcher die Bewegungen der Roboter berechnet“, erklärt Thomas Höschele.

Die räumliche Nähe von Server und Roboter ist wichtig, damit die Latenzzeit unter einer Millisekunde bleibt. Bei der Latzenzzeit handelt es sich um die Zeit, die vergeht, wenn ein Mitarbeiter einem Roboter eine Bewegung gezeigt hat und der Roboter diese mit seinem Algorithmus lernt und schließlich nachmacht.

Die Forschung an diesen sogenannten nicht-öffentlichen Netzwerken soll die Technologie auf lange Sicht bezahlbar machen. „Mit diesem Projekt hier in Görlitz können wir eine Blaupause erschaffen, um die Preise langfristig zu reduzieren“, sagt Thomas Höschele. 

www.wandelbots.com/de/

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