Leipziger Gründer digitalisieren die Kneipe

Am Tresen lange in der Schlange warten, um ein Getränk zu bestellen. Geht das nicht besser? Ein junges Startup aus der Messestadt sagte selbstbewusst ja und überlegte sich eine Geschäftsidee für die Gastroszene. 

Joachim Müller, Thomas Niermann, Ben Wollscheid und Benedikt Pilz (v.l.n.r.) sind die Gründer von CLVR CLVB. Foto: Leandro Rodrigues für CLVR CLVB

Leipzig. Nein Mann, ich will hier nicht steh’n. Diesen Satz haben sich die Leipziger Gründer Thomas Niermann (23), Joachim Müller (22), Benedikt Pilz (21) und Ben Wollscheid (22) auf die Fahnen geschrieben. Gemeint ist damit das nervige Anstehen für Getränke in Bars und Clubs. Damit das nicht mehr notwendig ist, haben sie sich eine digitale Lösung überlegt. Wie die genau aussieht, verrät Ben Kamran Wollscheid im Founderella-Interview.

Founderella: Bitte stellen Sie sich und Ihr Startup kurz vor.

Ben Kamran Wollscheid: CLVR CLVB ist ein digitales Ordersystem, das die Interaktion zwischen Gastronomen und deren Kunden revolutioniert. Gäste können via Smartphone bestellen und zeitnah auch bezahlen, während der Gastronom auf Personalseite stark entlastet wird und seinen Betrieb in Echtzeit steuern und auswerten kann.

Wir haben CLVR CLVB während des Studiums zu viert gegründet und haben unseren aktuellen Sitz in Leipzig.

Wie ist die Idee entstanden?

Es gab bei uns nicht den einen besonderen Moment, in dem wir den Geistesblitz für CLVR CLVB hatten. Vielmehr stand die Idee am Ende eines Prozesses. Wir waren und sind als junge Studenten häufig in Bars und Clubs unterwegs und im Zuge dessen immer wieder auf die gleichen Probleme gestoßen. Es gibt lange Wartezeiten an der Bar und in der Regel werden keine Zahlungsmittel außer Bargeld akzeptiert. Diese beiden Aspekte haben uns primär dazu motiviert, mit CLVR CLVB ein Produkt zu entwickeln, das allen beteiligten Parteien die optimale Lösung für die entsprechenden Probleme bietet.

Haben Sie zuvor Marktforschung, z.B. im Freundeskreis, betrieben, um sicherzugehen, dass es dafür einen Markt gibt?

Ja, absolut. Wir haben im Zuge unserer Marktanalyse ausführliches Feedback von potenziellen Endkunden und Gastronomen eingesammelt. Bei erstgenannter Zielgruppe sind wir als Erstes über den gemeinsamen Freundeskreis gegangen und haben anschließend Umfragen in der Uni Leipzig und an der HTWK (Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, Anmerkung der Redaktion) durchgeführt, um eine große Gruppe zu erreichen, die möglichst nah an der von uns abgesteckten Zielgruppe ist.

Was Gastronomen betrifft, haben wir mit unterschiedlichen Leuten gesprochen, die Bars, Clubs oder vergleichbare Lokale in Leipzig und der unmittelbaren Umgebung führen. Unser Hauptaugenmerk lag hierbei nicht einmal darauf, zu schauen, wie deren Reaktion auf unser damaliges Konzept ausfällt – vielmehr lag unser Schwerpunkt darauf, welches Produkt wir entwickeln müssten, um deren Anforderungen gerecht zu werden. Man kann insofern sagen, dass wir die Konzeption von CLVR CLVB sehr stark anhand des Feedbacks unserer potenziellen Abnehmergruppe ausgerichtet haben.

So sieht das Bestellmenü aus, das die Nutzer von CLVR CLVB auf ihrem Smartphone sehen, wenn sie in der Bar etwas bestellen wollen – hier die Karte des Leipziger Cafés Franz Morish. Screenshot: CLVR CLVB

In welchen Kneipen kann man das System bereits ausprobieren?

CLVR CLVB kann aktuell im Beyerhaus (Großraumbar/-kneipe) und im Franz Morish (Café & Kaffeerösterei), beide jeweils in Leipzig, genutzt werden.

Ist CLVR CLVB eine Webanwendung oder muss man eine App herunterladen?

CLVR CLVB ist eine Webanwendung und steht daher nicht zum Download zur Verfügung. Unsere User können auf das System derzeitig zugreifen, indem sie einen QR-Code scannen, der auf den Tischen/Tresen in den Lokalen unserer Kunden angebracht ist. Wir schließen nicht aus, dass es zukünftig auch eine native App geben könnte, allerdings sehen wir in einer Web-Anwendung sehr viele Vorteile im Vergleich zu einer nativen App und werden unseren Fokus zunächst auch weiterhin darauf richten.

Neben der Bestellung ist es in einer Bar auch wichtig, dass das Bezahlen reibungslos klappt? Ist es dafür notwendig, einen Account anzulegen, wo beispielsweise die Kreditkarte hinterlegt wird?

Derzeitig handelt es sich bei CLVR CLVB ausschließlich um ein Bestellsystem. Aufgegebene Bestellungen werden bei der Abholung am Tresen bezahlt. Wir arbeiten aktuell daran, Online Payment zu inkludieren, sodass zeitnah direkt über CLVR CLVB bezahlt werden kann.

Am Ende einer aufgegebenen Bestellung können unsere User dann via PayPal, Google Pay oder Apple Pay bezahlen und müssen im Zuge dessen keinen CLVR CLVB-Account einrichten, sondern sich lediglich in ihrem jeweiligen Payment-Account anmelden, was angesichts der von uns gewählten Bezahlmethoden mit einem verhältnismäßig geringen Aufwand verbunden ist.

Die eingegebenen Informationen können anschließend je nach Wunsch des Users auch gespeichert werden, sodass bei einer Folgebestellung keine erneute Anmeldung im Payment-Account mehr notwendig ist.

Ist es Ihnen leicht gefallen, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen?

Ich glaube diesen Schritt würde aus unserem Team niemand als schwierig bezeichnen. Wir waren und sind von unserem Produkt überzeugt und insofern war der daraus resultierende Schritt in die Selbstständigkeit für uns lediglich eine Frage der Zeit.

Wie sehen die nächsten Schritte aus, um ihr Startup voranzubringen? Welche Herausforderungen gibt es? 

Unser Hauptschwerpunkt liegt aktuell darauf, unser Produkt fortzuentwickeln und essenzielle Features wie Online Payment und die Anbindung zu etablierten Kassensystemen zu implementieren. Viele Entwicklungsschwerpunkte, die wir für uns definiert haben, orientieren sich unmittelbar am Feedback unserer Kunden, deren Personal und unserer Nutzer, das wir seit unserem Markteintritt im vergangenen Dezember eingesammelt haben.

Einige der gewonnenen Erkenntnisse sind tatsächlich anders, als von uns zunächst angenommen und haben unsere zukünftige Ausrichtung maßgeblich beeinflusst. Dennoch ist die grundlegende Akzeptanz für CLVR CLVB sowohl auf Endkunden- als auch auf Gastronomenseite bereits jetzt so hoch, dass wir sehr optimistisch sind, diesen Trend durch die notwendigen Fortentwicklungen fortzusetzen. Unser kurzfristiges Ziel ist dann, CLVR CLVB zunächst in Leipzig flächendeckend zu etablieren um uns anschließend angrenzenden Märkten zuzuwenden.

clvr-clvb.de

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Stephan Hönigschmid – Gründer von Founderella

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