China-Konzern sichert sich Spitzentechnologie aus Dresden

Der Hersteller von Haushaltsgeräten versucht seit Jahren deutsche Traditionsfirmen wie Miele und Bosch vom Thron zu stoßen. Jetzt kombiniert er seine Produkte mit Sensoren eines sächsischen Startups.

Senorics-Geschäftsführer Ronny Timmreck hält einen von seiner Firma entwickelten Sensor in die Kamera, mit dessen Hilfe beispielsweise Inhaltsstoffe von Lebensmitteln erkannt werden können. Foto: Ellen Türke Fotografie für Senorics

Dresden. Das sächsische Startup Senorics hat einen Kooperationsvertrag mit dem chinesischen Konzern Haier COSMOPlat unterzeichnet. Das teilte die Firma am Mittwoch mit. Haier ist weltweiter Marktführer für Haushaltsgroßgeräte wie Waschmaschinen oder Kühlschränke. Beide Unternehmen wollen in den nächsten Jahren zusammenarbeiten, um neue Anwendungsmöglichkeiten für die Sensor-Technologie aus Dresden auszuloten und im Markt zu etablieren. Senorics hat neuartige Nahinfrarot-Spektroskopie-Sensoren entwickelt, mit deren Hilfe Inhaltsstoffe erkannt werden können – das sogenannte Material Sensing. Im Blick haben die Partner dabei insbesondere den chinesischen und den europäischen Markt.

39 Milliarden US-Dollar Umsatz pro Jahr

Zu Haier gehören weltweit 122 Produktionsstätten mit 78.000 Mitarbeitern. Im Jahr 2018 erwirtschaftete Haier einen Umsatz von über 39 Milliarden US-Dollar. Doch obwohl der Konzern weltweit dominiert, fristete er in Europa bisher ein Nischendasein. Wie die „Welt“ bereits im August 2018 berichtete, hat Haier zwar in China, dem pazifischen Raum und in Nordamerika einen Marktanteil von rund 20 Prozent. In Europa waren es damals jedoch gerade einmal 2,3 Prozent. Mittlerweile sind es rund sechs Prozent. Verantwortlich für diesen geringen europäischen Anteil ist vor allem der deutsche Markt. Wenn es um  Haushaltsgeräte geht, halten die Deutschen heimischen Traditionsmarken wie Bosch, Siemens, Bauknecht und Miele treu die Stange. 

Neue Möglichkeiten bei der Produktion

Mit den Sensoren von Senorics eröffnen sich bei der Produktion von Haushaltsgroßgeräten neue Möglichkeiten. Denkbar sind beispielsweise die automatische Fleckerkennung und eine darauf abgestimmte Auswahl des Waschprogramms für Waschmaschinen. Staubsaugerroboter könnten das Bodenmaterial und den Grad der Verschmutzung selbst analysieren und ihr Tun darauf abstimmen. Durch eine sensorgestützte Textilerkennung ließe sich auch die Hitze von Bügeleisen automatisch anpassen.

Kontakt entstand auf Messe

Der Kontakt zu Haier ist nach Angaben von Senorics im Rahmen einer Messe zustande gekommen. Unter anderem sei die Fokussierung des chinesischen Unternehmens auf vernetzte Smart-Home-Erlebnisse sowie seine Software-Plattform COSMOPlat, die auch anderen Herstellern offen steht und diese mit den Entwicklern ihrer Produkte vernetzt sowie die gesamte Prozess- und Lieferkette digital abbildet, interessant für Senorics gewesen. „Haier hat zudem eine große Marktkenntnis und ist nah dran am Kunden“, nennt Langer weitere Vorteile der Zusammenarbeit.

Eindrücke von der Vertragsunterzeichnung. Foto: Senorics

Senorics wiederum besitze eine Technologie, die das Nutzererlebnis auf eine völlig neue Stufe hebe und den Menschen das Leben leichter machen könne. „Gemeinsam haben wir viel Potential für erfolgreiche Produkte.“ In den nächsten Monaten sollen gemeinsam weitere Anwendungen über den Haushaltsgerätebereich hinaus identifiziert und dafür potentielle Kunden gefunden werden. Gerade auf dem chinesischen Markt, so Langer, sei Technologie made in Germany stark nachgefragt.

https://senorics.com

Über Senorics

Die Senorics GmbH ist ein Hightech-Unternehmen aus Dresden, das mit seiner Technologie Nahinfrarotspektroskopie massenmarkttauglich macht. Mit Hilfe der Sensoren werden Inhaltsstoffe in einer Vielzahl von Feststoffen und Flüssigkeiten, wie zum Beispiel Lebensmitteln, Agrarprodukten, Kunststoffen, Textilien oder Arzneimitteln, ohne großen Aufwand analysiert und ihre Menge ermittelt. 

Bei der verwendeten Art von Spektroskopie wird eine Probe mit infrarotem Licht bestrahlt. Aus den Wellenlängen des reflektierten Lichts lassen sich mit Hilfe eines von Senorics entwickelten Algorithmus die enthaltenen Substanzen ablesen. Das Unternehmen, das seit 2017 existiert, ist eine Ausgründung der TU Dresden. Heute gehören 32 Mitarbeiter zur Firma.

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