Schnelle Hilfe beim Laborunfall

Materialien mit Nanoteilchen gelten als Milliardengeschäft. Allerdings können sie bei der Herstellung auch gefährlich sein. Ein Dresdner Startup will deshalb den Arbeitsschutz verbessern. 

Dr. Jonas Schubert, Dr. Max Schnepf und Felix Klee (von links) sind die Gründer von Derma Purge. Foto: e-cine.de für Derma Purge

Dr. Jonas Schubert, Dr. Max Schnepf und Felix Klee (von links) sind die Gründer von Derma Purge. Foto: e-cine.de für Derma Purge

Dresden. Kratzfeste Lacke, Schmutz abweisende Oberflächen, schnell aushärtender Beton: Materialien mit Nanopartikeln gelten als neues Wundermittel. Es wartet nicht weniger als ein Milliardenmarkt. Dennoch lauern auch Gefahren. Zwar nicht so sehr bei den Endprodukten wie Lack, wo die Nanoteilchen schon gebunden sind, sondern eher bei der industriellen Herstellung sowie in Forschungslaboren.

Trotz standardisierter, hoher Sicherheitsvorkehrungen komme es immer wieder ungewollt zu einer Verunreinigung der Haut. „Die Nanopartikel lassen sich weder mit Wasser und Seife noch mit anderen Dekontaminationsmitteln entfernen“, sagt einer der Gründer des Dresdner Startups Derma Purge, Felix Klee (31). Das kann gefährlich sein. Gelangen die Nanopartikel (Nano = Griechisch für Zwerg) zum Beispiel durch Einatmen in den Körper, besteht die Möglichkeit, dass sie in der Lunge Entzündungen hervorrufen. Entzündliche Strukturen können wiederum zu Krebs führen.

Hintergrund ist, dass die Teilchen mit einem Durchmesser von weniger als 100 Nanometern etwa so groß wie ein Virus sind. Einerseits haben sie  dadurch zwar eine große Oberfläche bei einer gleichzeitig sehr geringen Masse, was die zu Beginn aufgezählten, besonderen Eigenschaften erst möglich macht. Andererseits sind die Partikel wegen ihrer Größe aber auch in der Lage, Zellwände zu durchdringen. 

Wasser und Seife reichen nicht

Um Arbeitnehmer vor diesen Gefahren zu schützen, hat sich das Team von Derma Purge etwas überlegt: „Da Nanopartikel die Haut durchdringen oder durch Kontaminationsverschleppung (z.B. wenn die Hände den Mund berühren) mündlich aufgenommen werden können und somit ein potenzielles Risiko für die Gesundheit darstellen, ist eine schnelle und vollständige Entfernung von immenser Bedeutung. Das hat uns motiviert, das Gel DermaPurge NANO zu entwickeln“, sagt Felix Klee, der sich in dem Startup um die betriebswirtschaftlichen Fragen kümmert.

Mit dem Gel von Derma Purge soll es möglich sein, die Nanopartikel nahezu vollständig zu entfernen. Foto: Derma Purge

Mit dem Gel von Derma Purge soll es möglich sein, die Nanopartikel nahezu vollständig zu entfernen. Foto: Derma Purge

Das Gel kommt gewissermaßen ins Spiel, wenn die Seife versagt. Weil Wasser und Seife die Hautporen erweitern und so ihre Barrierefunktion beeinträchtigen, sind sie ungeeignet. Mit dem Gel von Derma Purge sollen nach Angaben des Startups hingegen nahezu alle Partikel (mehr als 99 Prozent) entfernt werden. 

Arbeitsunfall bringt Gründer auf die Idee

Herausgefunden haben dies die Chemiker Jonas Schubert (33) und Max Schnepf (29) – die Ideengeber des Projekts – durch einen Arbeitsunfall am Dresdner Leibniz-Institut für Polymerforschung. „Die Geschäftsidee geht auf einen Unfall einer studentischen Hilfskraft mit Nanopartikellösung zurück.“ Jonas Schubert und Max Schnepf hätten zu der Zeit am Institut an ihrer Promotion und mit der studentischen Hilfskraft zusammengearbeitet.

„Trotz der vorgeschriebenen Sicherheitsausstattung (Technische Regeln für Gefahrstoffe 527 – Umgang mit Nanomaterialien) kam die Haut der studentischen Hilfskraft hinter dem Handschuh in direkten Kontakt mit Nanopartikellösung“, berichtet Felix Klee. Der Versuch, die betroffenen Stellen mit Wasser, Seife sowie herkömmlichen Dekontaminationsmitteln zu reinigen, sei nicht erfolgreich gewesen. Dies sei jedoch nur aufgefallen, da die winzigen Partikel unter UV-Licht sichtbar geworden sind. „Weder Ärzte noch der Giftnotruf konnten Empfehlungen zur Dekontamination geben. Das war für uns der entscheidende Anlass, uns genauer mit der Problematik auseinanderzusetzen“, sagt Klee.

Produkt kommt 2021 auf den Markt

Derma Purge will das Nano-Kit voraussichtlich selbst herstellen und an Forschungseinrichtungen und die Industrie vertreiben. Der Markteintritt ist für 2021 geplant. Gegenwärtig ist das Startup noch über ein EXIST-Stipendium finanziert. Im zweiten Quartal des nächsten Jahres will laut den Verantwortlichen ein Business Angel bei Derma Purge einsteigen.

Derzeit sehen die Gründer keine vergleichbaren Lösungen auf dem Markt. Um die Erfindung zu schützen, hat das Dresdner Leibniz-Institut ein Patent für das Gel angemeldet. „Es existiert keine Produktlösung auf dem Markt, mit der Nanopartikel effektiv von der Haut entfernt werden können“, sagt Felix Klee, der allein in Europa und den USA ein geschätztes Marktpotenzial von 16 Millionen Euro sieht.

https://www.dermapurge.com

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